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Samstag, 30. Januar 2010
Schneespaziergang
Eigentlich hatten wir heute meines Engels Familie besuchen wollen. Aber schon gestern Abend zeichnete sich ab, dass dieses Vorhaben witterungsbedingt würde ausfallen müssen. Und genau so war es dann auch. Heute früh riskierte ich als erstes einen Blick hinter das weiße Stoffrollo im Schlafzimmer und sah nichts als Weiß. Im Laufe der Nacht fielen weitere 30 cm Schnee und bedeckten nun wirklich alles. Überall sah ich Anwohner, die sich mit Schneeschaufeln bewaffnet knirschend durch die weiße Pracht schoben. Wir beschlossen also, unser blaues Auto nicht auszubuddeln und uns nicht auf den Weg über Landstraßen und Autobahnen zu machen.
Nach einem wirklich gemütlichen Frühstück vor einem völlig eingeschneiten Balkon zogen wir uns unsere Stiefel an, hüllten uns in mehrere Kleidungsschichten und schulterten Kameras und Stativ. Nicht weit von unserer Wohnung liegt das Lauerholz, ein Wald, der heute als Motiv für ein paar Winterfotos herhalten musste. Mit dieser Idee waren wir natürlich nicht allein. Ständig begegneten uns Leute auf Schlitten, Skiern, mit Stöcken und Hunden. Währenddessen schien die Sonne von einem blank-blauen Himmel und frischer Wind blies den klebrigen Schnee von den hohen Bäumen. Eine Winterlandschaft, wie wir sie hier nur selten zu sehen bekommen. Wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist, versank ich fast knietief im Schnee, und entgegenkommende kleine Hunde bewegten sich nur noch hüpfend vorwärts.
Nach einer kurzen Aufwärmphase mit heißer Schokolade stiefelten wir schon wieder los, diesmal in die Innenstadt. Nach einem Schaufensterbummel suchten wir ein Kaffeehaus, das nicht überfüllt war, aber da hatten wir heute schlechte Karten. Die meisten Leute waren anscheinend einem Heißgetränk nicht abgeneigt, und so versuchten wir es bei DoubleCoffee, bei Balzac und bei einem neuen Laden. Nach zwei überfüllten Fehlschlägen sollte der letzte ein Versuch sein, aber schon an der Tür kam uns eine Zigaretten-Rauchwolke entgegen, so dass wir gleich wieder rückwärts hinausgingen. Auf den Kaffee mussten wir also verzichten.
Inzwischen sind wir schon wieder zu Hause und irgendwie ziemlich fertig. Laufen im Schnee ist ganz schön anstrengend...
Sonntag, 24. Januar 2010
Nach dem Aufstehen...
... ist vor dem Schlafengehen!
Vielleicht liegt es an dem kalten Wetter, das neuerdings Bestandteil eines jeden meiner Blogeinträge ist, dass ich seit ein-zwei Wochen jeden Tag müde bin. Auch heute, obwohl ich nicht gerade wenig geschlafen habe. Im Gegensatz zum letzten Wochenende ist dieses hier gerade ruhig und entspannt, und trotzdem komme ich nicht so recht in Gang. Das nervt.
Als ich vor etwa einer Stunde die Augen aufschlug und in das grinsende Gesicht eines weißen, schnurrenden Katers schaute, ertappte ich mich bei dem übermächtigen Wunsch, mein Trainingspartner würde für heute Nachmittag absagen. Aber mein Handy gab solche Neuigkeiten noch nicht her. Total verlegen wühlte ich mich aus der Bettdecke, setzte meine Füße auf den Bettvorleger und patschte tapsig ins Bad - flankiert von einem weißen und einem braunen Kater.
Inzwischen ist der erste Kaffee vernichtet, der mir die Augen öffnen sollte. Draußen ertönen die Glocken einer nahe gelegenen Kirche und rufen die Gläubigen zum Gebet, während ein Nachbar mit einer Schaufel versucht, all das viele Eis von der Auffahrt zu räumen. Aber bei minus zehn Grad wehrt es sich nach Kräften.
Ich werde jetzt gemächlich meinen Zwei-Tage-Bart bekämpfen, mein struppiges Haupt bändigen und dann ganz langsam meinen Engel aus dem Land der Träume befreien...
Sonntag, 17. Januar 2010
Ha-Chi
Es hat wieder zu schneien begonnen. Ganz kleine, schnelle Eisflocken. In der letzten Woche ist der Schnee zu bizarren Eisflächen gefroren. Plattgetreten, plattgefahren, glattgerubbelt, so dass man durch das Eis den Gehweg sehen kann, konserviert, bis der Kälte endlich der eisige Atem versiegt. Gestern hatten wir Besuch aus Hamburg. Mit Christian habe ich die Wehrdienstzeit überstanden und bis heute sehen wir uns ein- bis zweimal im Jahr. In nur wenigen Wochen statten wir ihm einen Gegenbesuch ab. Das bietet sich einfach an, weil mein Engel dann jeden Tag in Hamburg arbeitet. |
Entspannungs-Workshops sind immer so eine Sache. Vor Jahren habe mich mit meiner besten Freundin an einer Gruppen-Meditation eines buddhistischen Zentrums in der Stadt mit den Hochhäusern teilgenommen. Das war damals zum Abgewöhnen, obwohl wir uns wirklich darauf hatten einlassen wollen. Gestern dann traf ich mich mit meinen Arbeitskollegen um kurz vor neun Uhr zu einem sogenannten "Ruhemoment". Ein Marzipandoktor referierte eine Stunde über Stress, dessen Auslöser, Symptome und Folgen. | ![]() |
Bei der eigentlichen Entspannungsübung legten wir uns auf mitgebrachte Decken und schlummerten bei Meeresrauschen. Das sollte entspannend sein, erinnerte mich aber stark an die Verkehrsgeräusche vor meinem Schlafzimmerfenster. Wussssch. Wuuuussssch. Am Freitagmorgen rief mich meine Mum im Büro an und warf meine halben Wochenend-Pläne über den Haufen. In einer Stunde werde mich auf den verschneiten Weg in die Heimat machen, um meine Familie zu besuchen. Mein Engel muss derweil arbeiten. Seine letzte Wochenendschicht. Er zählt bereits die Tage. Ende Januar hat er eine Woche Urlaub und dann startet er neu durch. Der Schneefall wird stärker und ich sollte mich langsam fertig machen. Es kann nicht schaden, ein wenig früher als geplant aufzubrechen. Es ist wieder so weit: Ich will Frühling! |
Samstag, 9. Januar 2010
Winterhauch
Freitag, 1. Januar 2010
Reset
Als wollte der Schnee, dass das neue Jahr sauber und ordentlich startet, legt er seit den frühen Abendstunden eine glitzernde weiße Decke über die ganze Marzipanstadt. Mal große und mal kleine Flocken fallen aus einer dichten Wolkendecke, die von urbanen Lichtern bizarr erleuchtet wird. Der Silvesterunrat der vergangenen Nacht ist vorübergehend unsichtbar.
Die Silvesternacht haben Engelchen und ich bei Freunden auf der anderen Seite unserer Stadt verbracht. Für das leibliche Wohl war gesorgt, M&B hatten schon den Raclette-Grill angeheizt, als wir um punkt acht Uhr an der Tür klingelten. Mit acht Leuten war die Partyrunde angenehm überschaubar. Mit dem Essen ließen wir uns richtig viel Zeit, anderthalb Stunden ungefähr, bis alle das Besteck streckten und satt und zufrieden waren. Mit einem Gesellschaftsspiel ("Nobody is perfect") vertrieben wir uns die Zeit bis Mitternacht.
Mit Erfolg. Noch bevor das Spiel einen Sieger hervorbringen konnte, wurde es Zeit, den Champagner auf acht Gläser zu verteilen und den Fernseher einzuschalten. Live vom Brandenburger Tor (wo ich vor Jahren einen Silvesterabend verbracht habe) sendete die ARD eine verlässliche Uhr samt Countdown in das behagliche Wohnzimmer unserer Freunde, wo wir uns um punkt null Uhr zuprosteten und einander umarmten. Ein Ritual, das zu pflegen wir jedes Jahr um die selbe Zeit mit Freunden zusammenkommen.
Der Schampus war noch nicht leergetrunken, da rumste und krachte, blitzte und zischte es draußen. Die Stadtbewohner kamen aus ihren Häusern und begrüßten 2010 mit Getöse und viel glitzerndem Lichterzauber. Hunderte Sterne aus Feuerwerk explodierten am Nachthimmel, Fontänen und Feuerräder sorgten für sprühende Atmosphäre am Boden.
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