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Sonntag, 2. Mai 2010

postheadericon Wo soll ich anfangen?

Heute haben wir meine Familie besucht. Meine Mum organisierte ein großes Wiedersehen, nachdem mein Bruder, der Soldat, am Mittwoch nach einem halben Jahr aus Afghanistan zurückgekehrt ist. Äußerlich unversehrt. Die Erlebnisse, die er im Gepäck hatte, waren zwar oberflächlich geschildert, dafür aber nicht minder schrecklich. Ich selbst bin nach den wenigen Brocken an Information tief bestürzt über die Dinge, die er erleben musste. Wie muss es wohl erst in seinem Inneren aussehen?! Äußerlich zumindest hat er sich fast nichts anmerken lassen...

Vor und auch nach dem Besuch bei meiner Familie haben wir die 20-jährige Schwester meines Engels in der Reha-Klinik besucht. Am Mittwoch vor zwei Wochen war sie mit Verdacht auf einen Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert worden. Nach verschiedenen Untersuchungen fanden die Ärzte eine Entzündung, die auf die linke Hirnhälfte drückte. Kein Schlaganfall also, aber die gleichen Auswirkungen. In den ersten Tagen konnte sie kaum sprechen, eine Körperhälfte war taub. Seitdem die Entzündung bekämpft worden ist, macht sie zum Glück große Fortschritte, kann inzwischen wieder sprechen (wenn auch noch nicht so wie früher), und gerade lernt sie wieder zu laufen. Ein intensives Trainingsprogramm soll die beschädigten neurologischen Verknüpfungen in ihrem Kopf wieder herstellen.

An dem selben Mittwoch vor zwei Wochen rief mich meine Schwester im Büro an. Ihre dreijährige Tochter sollte am nächsten Tag in die Hamburger Uniklinik eingeliefert werden. Es bestand der Verdacht auf Leukämie aufgrund stark erhöhter Leukozyten. Meine Schwester war natürlich total fertig. Zum Glück gab es schon am folgenden Tag Entwarnung. Die hohen Leukozytenwerte rührten von einer Lungenentzündung her, die die Kleine seit drei Wochen von Arzt zu Arzt geschleppt hatte, die es bis dahin für eine Bronchitis gehalten haben. Heute war die Kleine schon wieder wohlauf. Nur meine Schwester hat sich von dem Schock noch nicht so ganz erholt.

Auch ich bin seit dem Horror-Mittwoch ziemlich angeschlagen. Und auch wenn ich froh bin, dass mein Bruder wieder hier ist, mache ich mir Sorgen um meine Familie. Da ist vieles im Argen, das ich von der Marzipanstadt aus nicht richtig bewegen kann. Das gibt mir ein ziemlich hilfloses Gefühl und ich fühle mich noch weiter von allem entfernt, als ich es so schon bin.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Lacarian,
wenn ich im letzten Jahr eins gelernt habe, dann ist es: Dass du für Andere (besonders Familienangehörige) da sein kannst, wenn Sie dich brauchen - aber du kannst ihnen keine Verantwortung abnehmen für sich selber. Das klingt wie ein Kalenderblatt-Rat aber mehr lässt sich in so einen Kommentar auch nicht quetschen. Glaube es mir, ich habe im letzten Jahr hart dafür bezahlen müssen. Erst als mit in aller Konsequenz klar geworden ist, dass ich meine eigene Familie habe und ich für andere (Eltern, Geschwister...) die Verantwortung nicht tragen kann und will, hat sich die Situation deutlich verbessert.

Mit dennoch gut gelaunten Grüßen,
Carsten

Matze316 hat gesagt…

Kopf hoch, zusammen werdet ihr das schon schaffen als Familie. Räumliche Entfernung ist manchmal nicht so wichtig wie seelischer Beistand.

Sei einfach da, wenn sie deine Hilfe und deine Schulter brauchen.

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