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Samstag, 12. September 2009
Ja, sie wollen!
Eine Arbeitskollegin meines Engels beschloss vor einigen Monaten, ihren langjährigen Freund zu ehelichen. Wie viele andere Menschen auch, entschieden sich die beiden für das einprägsame Datum 09.09.09. Und dieser Tag begann am Morgen des letzten Mittwochs...
Nach dem jüngsten Ende unseres letzten Urlaubs wagte ich die Ungeheuerlichkeit, meinen Chef um einen bis anderthalb freie Tage zu bitten, um die Folgen des Ja-Wortes gebührend feiern zu können. So ungeheuerlich fand Chef diese Bitte dann aber gar nicht und so konnten Engelchen und ich am Mittwoch getrost ausschlafen. Das erste Eheversprechen gab sich das Brautpaar dann ungefähr zu der Zeit, zu der mein Freund und ich das Frühstück genossen. Die standesamtliche Zeremonie war der Familie vorbehalten.
Erst zur kirchlichen Trauung warfen wir uns in Schale, sammelten Marei ein und machten uns auf den Weg. Weit hatten wirs ja nicht, nach nur zwanzig Minuten mischten wir uns unter die feierliche und mir nahezu vollständig fremde Hochzeitsgesellschaft, die zu einem Großteil aus Familie und zu einem weiteren Großteil aus gemeinsamen Arbeitskollegen meines Freundes sowie des Brautpaares bestand.
Nur sehr wenig später erfolgte der feierliche Einzug der Braut in die Kirche. Das kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen, war hier aber nicht minder bewegend! Sowohl der Bräutigam als auch die Braut waren nach wie vor mit einer Heirat vollends einverstanden und besiegelten ihr Versprechen für lebenslanges Glück zur Freude der anwesenden Gesellschaft mit einem züchtigen Kuss.
Nach der Trauung in der Kirche führte dann ein ansehnlicher Autokorso hupend und vergnügt zum Festsaal - ja, schön wärs gewesen, aber stattdessen ergab sich ein (im Nachhinein ganz erheiterndes) Durcheinander. Und das begann so:
Nachdem ich für meine Kamera im Supermarkt gegenüber der Kirche eiligst neuen Strom besorgt hatte, löste sich die Hochzeitsgesellschaft auf dem Platz langsam auf und verteilte sich auf die wartenden Autos. Auch Marei, Engelchen und ich liefen zu unserem Wagen auf der anderen Straßenseite. Wir erreichten die übrigen Fahrzeuge just, als sich das Gefolge hinter dem Brautauto langsam in Bewegung setzte.
Etwas irritiert waren wir dann schon, als der Wagen mit dem frischgebackenen Ehepaar links anhielt. Wir folgten dennoch brav der Kolonne vor uns, immerhin wussten die im Gegensatz zu uns, wo es langgehen sollte... Zu dumm, dass wir dann von einer roten Ampel getrennt wurden und ich plötzlich das Leitfahrzeug fuhr... Verwirrt und in Schweiß ausbrechend fuhr ich den frischgewaschenen blauen Wagen an der nächsten Bushaltestelle rechts ran, um die nachfolgenden Fahrzeuge zwecks Wegweisung vorbeiziehen zu lassen. Aber niemand fuhr vorbei, denn auch von denen hatte niemand einen Schimmer, und so stand der halbe Korso hinter uns auf der Haltestelle. Engelchen hüpfte eiligst aus dem Wagen zum Kofferraum, wo wir unter allgemeiner Zustimmung der hinter uns aufgereihten Windschutzscheiben das Navigationsgerät um Rat fragten. Zielsicher konnten wir nun unsere Fahrt kurz darauf fortsetzen und lenkten die Kolonne auf die Autobahn. Als uns das Navi auf eine mautpflichtige Strecke führen wollte, setzten wir uns ortskundig darüber hinweg und folgten der Autobahn - ohne die nachfolgenden Fahrzeuge, die scheinbar geradewegs in die Mautfalle fuhren... Wiederum verwirrt stellten wir nur kurz darauf fest, dass das Ziel unserer Reise vor der Mautstation gelegen hätte und der scheinbar bessere Weg über die Autobahn entpuppte sich als Umweg. Damit nicht genug saßen wir alsbald nach Verlassen der Schnellstraße hinter einem Müllauto fest und nachdem wir dieses endlich überholen konnten hielt uns auch noch eine Schleicherin auf. Doch welch Überraschung, als wir uns auf der Zielgeraden wie selbstverständlich und auf die Sekunde genau hinter dem verbliebenden kleinen Autokorso einreihten, das dem Brautwagen gefolgt war. Hupend und schon ein wenig erleichtert fuhren wir die Auffahrt hinauf, an deren Ende wir den Wagen parkten und uns wieder in die Hochzeitsgesellschaft eingliederten.
Die Feier an sich war dann von klassischer Natur. Nach der "Bescherung" und einem unheimlich umfangreichen und köstlichen Buffet folgten Tanz und Spiele, der eine oder andere Schnäppes, Gespräche und Gelächter. Weil mich am nächsten Tag die Pflicht rief, blieben mein Freund, Marei und ich bis Mitternacht, als nochmal lautstark gepoltert wurde. Die Rückfahrt blieb dann auch ohne Zwischenfälle, und müde und ein wenig heiser fielen wir ins Bett...
Mittwoch, 2. September 2009
Kopenhagen
Der zweite Teil unseres Urlaubs begann nur rund drei Stunden nach Verlassen des Ferienhauses.
Zum ersten Mal drangen wir mit dem blauen Auto in die Tiefen der Metropole vor. Wohlbehalten erreichten wir unser Hotel und parkten den Wagen auf dem Hinterhof. Unser Zimmer lag wie beim letzten Besuch des Hotels im Haupthaus, diesmal aber nicht unter dem Dach sondern im vierten Stock. Das Zimmer war klein, aber wieder wunderschön.
Nach dem obligatorischen Schrank-Einräumen hielt es uns nicht lange auf dem Zimmer. Wir schnappten unsere Kameras und machten uns auf Entdeckungsreise durch eine Stadt, die wir eigentlich schon recht gut kennen. Zielstrebig steuerten wir die Sehenswürdigkeiten an, die wir uns bisher nur im Winter oder sogar noch gar nicht angesehen hatten.
Zum Beispiel das Schloss Christiansborg, gleich neben dem schwarzen Diamanten, der die königliche Bibliothek beherbergt. Natürlich sind wir auch durch die Strøget gelaufen, aber nur zweimal oder so...
Dies war ein weiterer interessanter Aufenthalt in der dänischen Hauptstadt. Leider war es auch hier recht kühl (tagsüber nur 17 Grad). Wir sind wieder wahnsinnig viel rumgelaufen, und am Ende freute ich mich sogar schon wieder auf zuhause. Fünf Stunden dauerte die Fahrt zurück in die Marzipanstadt.
Anderthalb Tage waren nötig, um uns von den Anstrengungen zu erholen.
Skaven Strand
Da bin ich wieder. Eigentlich sind wir schon am Montagabend aus dem Urlaub zurückgekehrt, aber erst jetzt bin ich soweit erholt, dass ich ein paar Zeilen zu Papier bringen kann. Dass Urlaubsreisen auch immer so anstrengend sein müssen...
Der erste Teil der Reise ging wahnsinnig schnell. Angefangen mit der Ab- und Anreise. Das Wetter versprach Großartiges, die Sonne schien vom blankblauen Himmel und die Temperaturen hingen schon seit Tagen über der 20-Grad-Marke fest. Es war Vormittag, als wir das Auto beluden, in der Waschanlage verwöhnten und uns um elf Uhr endlich auf den Weg machten.
Natürlich führte uns der Hunger zunächst nach Flensburg, so wie bei jeder unserer Dänemark-Auto-Touren. Bei dem dortigen Burger-König begegnete ich meinem Lieblings-Verkäufer aus der Stadtbäckerei - ebenfalls auf dem Weg in den dänischen Urlaub.
Viel schneller als gedacht erreichten wir die Ferienhausvermietung und nahmen den Schlüssel entgegen. Das geht immer so erstaunlich einfach. Reingehen, Schlüssel abholen, rausgehen, weiterfahren. Den Weg zur Feriensiedlung kannten wir ja inzwischen auswendig und waren auch flugs da.
Schnell hatten wir uns für eines der drei Schlafzimmer entschieden und begannen sofort mit dem Einräumen des Kleiderschrankes. Erst dann fühle ich mich immer wie zu Hause. Auch hier war das Wetter hervorragend und wir ignorierten die Wolken, die langsam am Horizont Stellung bezogen...
Am Morgen des Sonntages genossen wir ein entspanntes Frühstück inmitten der Ferienstille. Mein Freund setzte versehentlich die Brötchentüte in Brand und die Sonne war auch schon aufgestanden. Trotzig stand sie am Himmel und reizte mich dazu, mich fast nackt auf die Terrasse zu legen. Fast, denn noch hatten wir Nachbarn. Fünf Personen wohnten im Haus nebenan. Woher sie kamen konnten wir nicht herausfinden, denn sie unterhielten sich in drei verschiedenen Sprachen. Den einzigen Kontakt konnten wir zu dem quirligen Jack-Russell-Terrier herstellen, der seinen Fußball oft quer durch unseren Garten trieb, während ich der Sommersonne ein wenig Bräune abzuringen versuchte.
Vergebens, denn am Dienstag gewannen die drohenden Wolken die Oberhand und verschluckten die Sonne. Jeden Morgen beim Aufwachen hoffte ich auf scharfe Schatten, die die Sträucher von außen auf das Schlafzimmerrollo warfen, aber die Wolken machten Licht und Schatten diffus. Zudem zog ein kühler Wind auf und zwang mich, wieder Kleidung zu tragen. Bei der Gelegenheit besuchten wir Blåvand, an dessen Strand ich mich meiner Klamotten aber beim ersten Sonnenstrahl wieder entledigte. Das Wasser war nach ein paar Schrecksekunden herrlich warm und so wateten wir durch die Nordsee bis zum Leuchtturm. Zu blöd, dass ich die Schuhe im Auto gelassen hatte, denn der Weg zum Turm war steinig...
Der Auftsieg bis hinauf auf die Plattform war etwas einfacher als vor einem Jahr in Hvide Sande, und weil die Plattform nicht von einem Gitter sondern einer Mauer gesäumt war, kam auch mein Freund mit hinaus um sich das blaue Meer von oben anzusehen, die bizarren Dünen und den aufgeheizten Strand. Hier und dort ließen halbnackte Männer bunte Drachen steigen und verzierten damit den wieder friedlichen Sommerhimmel.
Der Tag am Strand tat richtig gut. Der feine warme Sand zwischen den Zehen, der vom klaren Nordseewasser fortgespült wurde und natürlich die Sonne, die sich alle Mühe gab. Mit jedem Schritt hielten wir den Blick fest auf dem Boden, um zwischen all den Steinen, die das Meer so liegenlässt, vielleicht einen Brocken Bernstein zu finden. Hier und da sammelten wir einen der nassen, glänzenden Steine auf. Sie waren mal bläulich, mal durchsichtig weiß, mal tiefrot oder bernsteinfarben. Jeden einzelnen versenkten wir tief in unseren Hosentaschen, um ihn später genauer untersuchen zu können.
Zurück im Ferienhaus waren die Steine längst getrocknet und hatten jeglichen Glanz und jeden Reiz verloren, als wären sie nur für das Meer so wunderschön. Wir verbannten sie aus unseren Hosen und deponierten sie neben dem Kamin im Wohnzimmer.
Als wir abends die Grillkohle zum Glühen brachten, frischte der Wind allmählich wieder auf. Nach mehreren Versuchen (es war längst dunkel in Skaven Strand) gelang es mir, den Kamin anzufeuern und das Ferienhaus wurde warm. Ziemlich warm. Unerträglich warm! Das rot- und gelbglühende Brennholz knackte und knisterte und die Hitze zwang uns, alles auszuziehen. Wie schrecklich...
Die letzten Sonnenstrahlen unseres Aufenthaltes im Feriengebiet besahen wir uns vom Strand, der fast vor unserer Haustür lag. Vorbei am kleinen Bootshafen, über die Düne und die großen Steine passierten wir mehrere Kite-Surfer, die den Wind für einen ausgiebigen Wellenritt nutzten. Als nach etwa einem Kilometer die Sonne endgültig aufgab und ich mir in einem eiskalten Quellbach die Füße gekühlt hatte, setzten wir zum Rückmarsch an. Dabei entdeckten wir eine alte Ferienhaussiedlung, die so schäbig wirkte, dass wir wieder einmal froh waren, uns für die altbekannte Siedlung entschieden zu haben.
Ein wenig wehmütig packten wir abends unser Gepäck wieder ins Auto und verließen am folgenden Tag bei strömendem Regen das Feriengebiet, um uns auf den Weg in die königliche Hauptstadt zu machen, dem zweiten Teil unserer Reise.
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