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Mittwoch, 2. September 2009
Skaven Strand
Da bin ich wieder. Eigentlich sind wir schon am Montagabend aus dem Urlaub zurückgekehrt, aber erst jetzt bin ich soweit erholt, dass ich ein paar Zeilen zu Papier bringen kann. Dass Urlaubsreisen auch immer so anstrengend sein müssen...
Der erste Teil der Reise ging wahnsinnig schnell. Angefangen mit der Ab- und Anreise. Das Wetter versprach Großartiges, die Sonne schien vom blankblauen Himmel und die Temperaturen hingen schon seit Tagen über der 20-Grad-Marke fest. Es war Vormittag, als wir das Auto beluden, in der Waschanlage verwöhnten und uns um elf Uhr endlich auf den Weg machten.
Natürlich führte uns der Hunger zunächst nach Flensburg, so wie bei jeder unserer Dänemark-Auto-Touren. Bei dem dortigen Burger-König begegnete ich meinem Lieblings-Verkäufer aus der Stadtbäckerei - ebenfalls auf dem Weg in den dänischen Urlaub.
Viel schneller als gedacht erreichten wir die Ferienhausvermietung und nahmen den Schlüssel entgegen. Das geht immer so erstaunlich einfach. Reingehen, Schlüssel abholen, rausgehen, weiterfahren. Den Weg zur Feriensiedlung kannten wir ja inzwischen auswendig und waren auch flugs da.
Schnell hatten wir uns für eines der drei Schlafzimmer entschieden und begannen sofort mit dem Einräumen des Kleiderschrankes. Erst dann fühle ich mich immer wie zu Hause. Auch hier war das Wetter hervorragend und wir ignorierten die Wolken, die langsam am Horizont Stellung bezogen...
Am Morgen des Sonntages genossen wir ein entspanntes Frühstück inmitten der Ferienstille. Mein Freund setzte versehentlich die Brötchentüte in Brand und die Sonne war auch schon aufgestanden. Trotzig stand sie am Himmel und reizte mich dazu, mich fast nackt auf die Terrasse zu legen. Fast, denn noch hatten wir Nachbarn. Fünf Personen wohnten im Haus nebenan. Woher sie kamen konnten wir nicht herausfinden, denn sie unterhielten sich in drei verschiedenen Sprachen. Den einzigen Kontakt konnten wir zu dem quirligen Jack-Russell-Terrier herstellen, der seinen Fußball oft quer durch unseren Garten trieb, während ich der Sommersonne ein wenig Bräune abzuringen versuchte.
Vergebens, denn am Dienstag gewannen die drohenden Wolken die Oberhand und verschluckten die Sonne. Jeden Morgen beim Aufwachen hoffte ich auf scharfe Schatten, die die Sträucher von außen auf das Schlafzimmerrollo warfen, aber die Wolken machten Licht und Schatten diffus. Zudem zog ein kühler Wind auf und zwang mich, wieder Kleidung zu tragen. Bei der Gelegenheit besuchten wir Blåvand, an dessen Strand ich mich meiner Klamotten aber beim ersten Sonnenstrahl wieder entledigte. Das Wasser war nach ein paar Schrecksekunden herrlich warm und so wateten wir durch die Nordsee bis zum Leuchtturm. Zu blöd, dass ich die Schuhe im Auto gelassen hatte, denn der Weg zum Turm war steinig...
Der Auftsieg bis hinauf auf die Plattform war etwas einfacher als vor einem Jahr in Hvide Sande, und weil die Plattform nicht von einem Gitter sondern einer Mauer gesäumt war, kam auch mein Freund mit hinaus um sich das blaue Meer von oben anzusehen, die bizarren Dünen und den aufgeheizten Strand. Hier und dort ließen halbnackte Männer bunte Drachen steigen und verzierten damit den wieder friedlichen Sommerhimmel.
Der Tag am Strand tat richtig gut. Der feine warme Sand zwischen den Zehen, der vom klaren Nordseewasser fortgespült wurde und natürlich die Sonne, die sich alle Mühe gab. Mit jedem Schritt hielten wir den Blick fest auf dem Boden, um zwischen all den Steinen, die das Meer so liegenlässt, vielleicht einen Brocken Bernstein zu finden. Hier und da sammelten wir einen der nassen, glänzenden Steine auf. Sie waren mal bläulich, mal durchsichtig weiß, mal tiefrot oder bernsteinfarben. Jeden einzelnen versenkten wir tief in unseren Hosentaschen, um ihn später genauer untersuchen zu können.
Zurück im Ferienhaus waren die Steine längst getrocknet und hatten jeglichen Glanz und jeden Reiz verloren, als wären sie nur für das Meer so wunderschön. Wir verbannten sie aus unseren Hosen und deponierten sie neben dem Kamin im Wohnzimmer.
Als wir abends die Grillkohle zum Glühen brachten, frischte der Wind allmählich wieder auf. Nach mehreren Versuchen (es war längst dunkel in Skaven Strand) gelang es mir, den Kamin anzufeuern und das Ferienhaus wurde warm. Ziemlich warm. Unerträglich warm! Das rot- und gelbglühende Brennholz knackte und knisterte und die Hitze zwang uns, alles auszuziehen. Wie schrecklich...
Die letzten Sonnenstrahlen unseres Aufenthaltes im Feriengebiet besahen wir uns vom Strand, der fast vor unserer Haustür lag. Vorbei am kleinen Bootshafen, über die Düne und die großen Steine passierten wir mehrere Kite-Surfer, die den Wind für einen ausgiebigen Wellenritt nutzten. Als nach etwa einem Kilometer die Sonne endgültig aufgab und ich mir in einem eiskalten Quellbach die Füße gekühlt hatte, setzten wir zum Rückmarsch an. Dabei entdeckten wir eine alte Ferienhaussiedlung, die so schäbig wirkte, dass wir wieder einmal froh waren, uns für die altbekannte Siedlung entschieden zu haben.
Ein wenig wehmütig packten wir abends unser Gepäck wieder ins Auto und verließen am folgenden Tag bei strömendem Regen das Feriengebiet, um uns auf den Weg in die königliche Hauptstadt zu machen, dem zweiten Teil unserer Reise.
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